Geschichte

Vor drei, vier Jahrzehnten feierte die Stadt Sathmar ihr tausendjähriges Jubiläum. Es waren tausend Jahre vergangen, seit die Stadt erstmals in Dokumenten erwähnt wurde. Den ersten der 34 Namen, mit denen die Stadt im Laufe der Geschichte bezeichnet wurde, gab ihr Königin Gisela, die deutsche Frau König Stefans der Heilige. Der passendste Name wäre der deutsche Name Salzmarkt. Szatmar, Sătmar oder Zotmar, egal wie die Stadt genannt wird, eine Sache bleibt sicher, sie war und bleibt eine schöne Ortschaft. Die Natur verlieh ihr Reize und dank der vielen ineinander verflochtenen Kulturen - hier lebten immer 3-4-5-6 Nationalitäten zusammen - entstand der Sinn der Toleranz. Weil sie am Ufer eines für die Schifffahrt genutzten Flusses liegt - am Ufer des Flusses Samisch/Someș - verwandelte sich der Handel zu Gastfreundschaft. Sathmar machte im Mittelalter, wie alle anderen wichtigen Ortschaften, viel durch: sie wurde von den Türken und Tataren überfallen, erobert, niedergebrannt und wieder neu aufgebaut. Im 16. Jahrhundert befand sie sich unter den wichtigsten Städte Siebenbürgens. Das wichtigste Dokument, das der Schicksal der Bevölkerung Siebenbürgens zu Beginn der Neuzeit bestimmte - der Friedensschluss im Jahr 1711 - wurde in Sathmar unterzeichnet. Seitdem sind 300 Jahre vergangen und das Gebäude, in dem das Dokument unterzeichnet wurde, steht immer noch als Zeuge da und beherbergt heute das Kunstmuseum der Stadt Sathmar. Aus der alten Festung stehen immer noch einige Mauer, die aber alle in später entstandene Gebäude eingebaut wurden. Vom alten Zentrum führen einige Straßen mit monumentalen Gebäuden weg, auf denen die Umstände der Geschichte noch sichtbar sind. Dutzende historischen Gebäude in verschiedenen Baustilen vom Neubarock bis zur Sezession warten auf die Restaurierung, damit die Stadt ihren alten Glanz wieder erhalten kann. Einmal hier angelangt, wird der Reisende angenehm überrascht darüber, dass er in einer europäischen Stadt angekommen ist, in der sich die Rigorosität und die Pietät der Baustile dezent in einem erfrischenden Dialog miteinander vermischen. Es ist eine Stadt der Stille, wo sich der Sinn der Dinge schon seit langem festgelegt zu haben scheint. Das Leben der Burg war immer mit dem Fluss Samisch, der in der Mitte der Stadt fließt, verbunden. Der Fluss vereint die zwei Stadtteile: das rechte Ufer, wo sich die alte Stadt mit ihren reizvollen Wohnvierteln mit von viel Grün umgebenen, schönen, bequemen Häuser, von denen viele als richtige Schmuckstücke gelten, befindet, sowie mit dem linken Ufer, wo in den Jahren des Kommunismus die Wohnviertel für die Arbeiter gebaut wurden. Die Märchen und die Legenden der Stadt erzählen über eine bewegte Vergangenheit. Im Jahr 1601, zu Ende des Monates Juni und anfangs Juli errichtete Michael der Tapfere sein Lager in Großmaitingen, etwa 30 km von der Stadt Sathmar entfernt. Am 7. Juli vereinigten sich seine Heere mit den Heeren des Generals Basta. Der General hatte seinen Hauptsitz längere Zeit in Sathmar. Vom 2. April bis zum 13. Mai antwortete der General aus Sathmar auf die Briefe von Sigismund Báthori und versuchte dadurch die Konflikte zwischen Báthori und König Rudolf II. zu mindern. Neben den Briefen, die er König Rudolf II. schickte, schreibt Basta auch an König Matthias, Karl I. von Liechtenstein und Nuntius Spinelli. Nach einer kurzen Reise nach Kosice kehrt General Basta in sein Lager in Sathmar zurück, wo er die Vorbereitungen für den Krieg beschleunigt um sich am 7. Juli dem Heer von Michael dem Tapferen anschließen zu können. Nach der Ermordung von Michael dem Tapferen am 9. August in Câmpia Turzii befindet sich sein Heer in Cârstienești und wählt Radu Șerban zum Herrscher über die Walachei. Auch sein Schicksal verbindet sich mit der Stadt Sathmar. Von November des Jahres 1601 bis zum Juli 1602 lebt er in der Stadt. Nachdem er Simon Movila nicht besiegen konnte, zog er mit seiner Eskorte und seinem Heer nach Sathmar zurück, wo sich auch seine Familie, seine Frau Helene und ihre sechsjährige Tochter Ancuța befanden. Von hier aus macht sich Stroe Buzescu, der Vertraute des neuen Herrschers, auf den Weg um den Treueid Radu Șerbans weiterzuleiten. Ebenfalls von hier bricht Radu Șerban im Juli 1602 mit seinem Heer, seinen Bojaren und mit seinen Vertrauten auf und macht sich auf dem Weg in die Walachei um von dort Simion Movila zu vertreiben. In den Jahren 1659 und 1660 spielt Sathmar eine wichtige Rolle im Leben von Oberst Jan Sobieski, dem zukünftigen König Polens und im Leben des Herrschers Mihnea Vodă, eigentlich Mihail Radu, bekannt als Mihnea der III. Oberst Jan Sobieski belagert die Festung und die Landgüter Sathmars im Jahr 1659. Sein Name ist auch im Friedenspakt, der zwischen Polen und Siebenbürgen geschlossen wurde, erwähnt. Die Belagerung und die Eroberung der Festung in Sathmar erfolgte nach dem Einfall von Georg Rákóczi II. in Polen, wo er am 7. April Krakau und am 23. Juni Warschau eroberte. Sein Ziel war den polnischen Thron zu besetzen. Das polnische Heer antwortete darauf mit einem Gegenangriff, besiegte am 22. Juli Georg Rákóczi II. in Czerni Ostrow und verfolgte diesen, wobei sie Sathmar eroberte. Nach diesem Vorgefecht und nachdem die Alliierten von Rákóczi, die Fürsten Constantin Șerban und Gheorghe Ștefan vom Thron vertrieben wurden, wird der Thron der Walachei von Voda Mihnea besetzt. Dieser schließt am 4. Oktober 1659 ein Bündnis mit Georg Rákóczi II. und zieht sich nach einer Schlacht gegen die Türken nach Sathmar zurück. Sowohl die Quellen aus der Geschichte, wie die Tatsache, dass Voda Mihnea von Georg Rákóczi II. in Sathmar als Gast aufgenommen wurde, zeigen die Freundschaft zwischen Georg Rákóczi II. und Voda Mihnea. Es wurde ebenfalls darauf hingewiesen, dass unter den lokalen Adeligen gegenüber dem geflüchteten rumänischen Herrscher eine gute Atmosphäre herrschte. Vodă Mihnea lebt vom Dezember des Jahres 1659 bis zum 6. April 1660 in Sathmar. Sein Tod erfolgte am Nachmittag um 17 Uhr nach einem Herzinfarkt während eines Empfanges, der von ihm zur Ehre der Sathmarer Adeligen gehalten wurde. Er wurde im Soldatenfriedhof der Festung, der sich neben der heutigen Kalvarienkirche befand, beerdigt. Wir weisen darauf hin, dass sich die mittelalterliche Festung Sathmar auf der Fläche lag, die von den Straßen Decebal und Cuza-Vodă, dem Sitz des heutigen Finanzamtes und der Apotheke Bunavestire und schließlich wieder der Decebal Straße, die sich auf der westlichen Mauer der Festung befindet, umschlossen wird.
Erwähnenswert ist die Durchreise oder ein längerer Aufenthalt verschiedener kultureller Persönlichkeiten. Ioan Slavici, der Klassiker der rumänischen Literatur, ist in Șiria neben Arad geboren und weilte in unserer Stadt. Nachdem er die Schule in Arad und in einem Lyzeum in Temeswar absolviert hatte, legte er sein Abitur im Jahr 1868 in Sathmar ab, wie das auch das aufbewahrte Matrikelblatt beweist. Am 19.,20. und 23. April 1923 beherbergt Sathmar die Schriftsteller Liviu Rebreanu, Ion Minulescu, Victor Eftimiu, E. Speranția, Alfred Moșoiu, A. Cazabanși und Mircea Rădulescu. Die Schriftsteller wurden am Bahnhof triumphal empfangen. Nach dem Empfang wurde im Saal des Hotels Dacia ein Bankett, an dem der Präfekt des Kreises und der Bürgermeister der Stadt teilnahmen, organisiert. Am 19. November ebenfalls im Jahr 1923 gab es im Saal Urania des Gebäude der heutigen Kooperative in der Stefan cel Mare Straße ein Konzert des Meisters George Enescu, der der Einladung der Philharmoniengesellschaft der Stadt gefolgt war. Ein Publizist der Zeitung der Stadt Sathmar schrieb: „So wie heute Abend Enescu auf seiner bezaubernden Violine spielte, ist mein Füller nicht in der Lage zu beschreiben." Im selben Jahr dirigierte Meister Enescu das Orchester der Philharmonie von Philadelphia. Am 16. März 1925 wurde von den Autoritäten der Stadt am Bahnhof der große Schauspieler Nottara empfangen. Am selben Abend um 21 Uhr spielen die Schauspieler des Nationaltheater aus Bukarest mit dem berühmten Schauspielern Constantin Nottara in der Rolle von Stefan dem Großen vor einem vollen Saal das Stück „Sommeruntergang". Eine der wichtigsten Persönlichkeiten, die in Sathmar beherbergt wurden, war G. M. Zamfirescu. Er kam im Jahr 1922, als er nur 24 Jahre alt war, in die Stadt und blieb bis 1924. Er arbeitete bei den Veröffentlichungen „Satu Mare", „Somesul nou" (Neuer Samisch) und „Cele trei Crișuri" (Die drei Kreische). Hier schrieb er die erste Version seines Romans „Maidanul cu dragoste" (Der Vagabund mit Liebe), den Band „Gazda cu ochii umezi" (Der Hausherr mit feuchten Augen) und die Blätter „Icoane maramureșene" (Maramurescher Ikonen) und „Săgeata" (Der Pfeil). Von allen kulturellen Persönlichkeiten, die unserer Stadt besuchten, hinterließ G.M. Zamfirescu die tiefsten Spuren. Der Dichter des ungarischen Hymne Kölcsei und der Nationalpoet Sándor Petőfi, der Júlia Szendrei vor dem Kreuz, das sich heute im Bischofspalais befindet, heiratete, kamen ebenfalls in die Stadt Sathmar. Der erste Übersetzer der Bibel in die ungarische Sprache, Gáspár Károlyi, der in Carei/Großkarol zur Welt kam, spazierte sicherlich auch in der Festung der Stadt Sathmar. Die Liste der Persönlichkeiten, deren Namen in einer oder anderen Weise mit der Stadt in Verbindung steht, ist lang. Die Liste umfasst Künstler, Schriftsteller und Kulturmenschen: Endre Ady und sein Freund Octavian Goga, in seiner ersten Jugend erschien hier Mihai Eminescu, der Nationalpoet der Rumänen, als Antwort der Zeit auf den Besuch des Nationalpoeten der Ungarn Sándor Petőfi. Die Sathmarer Maler ergänzen glücklicherweise die Werke der Neustädter Malerschule. Der in den 70er Jahren inmitten der Periode des Kommunismus gebaute Verwaltungspalast, das höchste Gebäude des Landes, das um 2,6 Meter das Hotel Intercontinental in Bukarest überragt, könnte erfolgreich mit dem kontroversen Haus des Volkes in Bukarest konkurrieren. Riesengroß und unfreundlich, symbolisiert das Gebäude, das heute das rumänische Parlament beherbergt, den Größenwahn des Kommunismus, während das Gebäude in Sathmar eher ein Symbol des sozialistischen Realismus zu sein scheint. So groß, kalt und dunkel es ist, könnte das Gebäude mit Erfolg ein Filmteam beherbergen, das einen Spielfilm über einen Drakula der Ceausescu-Zeit drehen möchte. Gleichzeitig verfügt das Gebäude über eine Bauweise, die ihm ein immenses architektonisches Potential verleiht und an die europäischen Standards herangeführt werden könnte. Jenseits der Kritik im Zusammenhang mit seiner Funktionalität hat es ein großes künstlerisches Potential. Es wird von Kunstfotografen aus allen Gebieten der Welt am Tag und in der Nacht, bei Sonnenuntergang oder bei Sonnenaufgang fotografiert. Im letzten Stockwerk befindet sich ein Amphitheater, das einen Panoramablick über die ganze Stadt bietet. Nur aufgrund der Epoche der traurigen Erinnerungen, in der das Gebäude errichtet wurde, ist der Verwaltungspalast nicht das Wahrzeichen der Stadt geworden.
Der Fluss Samisch/Someș teilt die Stadt: am rechten Ufer befindet sich die alte Stadt und am linken Ufer liegen die Wohnviertel Micro 14, 15, 16. An der Stadtausfahrt Richtung Klausenburg befindet sich der Industriepark, der internationalen Flughafen und an der Ausfahrt Richtung Großwardein wurden die Einkaufszentren Real und Praktiker errichtet. Internationale Firmen wie Elektrolux und Däxlmaier fanden in Sathmar ideale Produktionsstandorte, da sie von hier aus sowohl zu den Ländern in Europa wie auch zur Ukraine Zugang finden. Vom Hotelangebot befinden sich die Hotels im Zentrum, Poesis (****), Astoria, Aurora, Dana, Dacia (in Renovierung) und Vila Bodi an der Spitze. Einer alten Tradition folgen die Terrassen und Sommergärten, von denen Poesis und Miorița, Bowling, No Pardon und die Terrassen im Zentrum, die in der Sommersaison eröffnet werden, erwähnenswert sind. Das Nord-Theater, das zum Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, verfügt über zwei Abteilungen, eine rumänisch- und eine ungarischsprachige. Die Philharmonie Dinu Lipatti befindet sich in der Nachbarschaft der Werkstatt des großen Grafikers Paul Erdös und in der Nähe des Musik- und Kunstlyzeums. All diese Gebäude umringen den Feuerwehrturm, der gern als Eiffelturm der Stadt am Samischufer gelten möchte. Die Stefan cel Mare Straße, die wie ein aus einem Gebäudekomplex der Städte Budapest oder Wien gelöstes Fragment wirkt, beeindruckt mit ihren Gebäuden alle Bewunderer architektonischer Schmuckstücke. Die Fassaden in verschiedenen alten Baustilen warten nun auf eine Restauration. Eine Oase der Stille breitet sich in der Umgebung der Kalvarienkirche aus, die auf den alten Festungsruinen gebaut wurde. In einigen Meter Entfernung befindet sich das Künstler-Kaffeehaus Poesis und einige Straßen in Richtung des Flusses Samisch liegt der Werkstatt des größten Sathmarer Malers Aurel Pop. Der Römergarten neben dem Bahnhof gilt mit seinen uralten Bäumen, die aus allen Ecken der Welt gebracht wurden, als ein regelrechtes Naturschutzgebiet. Dunkle Alleen, auf denen verliebte Paare langsam spazieren, Spielplätze für Kinder und Bänke, wo Rentner mit ihren alten Geschichten die Vergangenheit zum Leben erwecken. Das alte öffentliche Bad wurde renoviert und ein Turm warte darauf, in ein Kunstwerk der Art der Traians-Säule verwandelt zu werden, auf dem die wichtigsten Ereignisse aus der Geschichte der Stadt aufscheinen werden.
Die Kirchen der Stadt sind alle architektonische Schmuckstücke. Wir werden einige aufzählen: die Kalvarienkirche wurde im neugotischen Stil im Jahr 1844 von Bischof Johannes Ham gebaut; die römisch-katholische Kathedrale Christi Himmelfahrt; die dem Heiligen Apostel und Evangelisten Johannes geweihte sogenannte Hildegardkirche; die ungarische griechisch-katholische Kirche „Heilige Nikolaus"; die Kettenkirche, die sich durch ihre puritanischen Barockformen hervorhebt; die reformierte Kirche aus Mintiu ist auch ein Werk des späten Barocks; die griechisch-katholische Kathedrale „Die heiligen Erzengel Michael und Gabriel"; die Kapelle Aurel Pop, gebaut nach den Plänen des berühmten plastischen Künstlers aus Sathmar, in der sich der neu-brancoveanische Stil gelungen mit traditionellen Elementen verbindet; die orthodoxe Kathedrale „Marie Himmelfahrt".
Heute ist Sathmar eine der interessantesten Städte Siebenbürgens, eine Burg, die auf der Handfläche einer Tiefebene liegt, die unter den Bergen der erloschenen Vulkane des Oascherlandes beginnt und vor Wien, der Metropole, die sich in der gleichen Distanz von der Stadt wie Bukarest befindet, endet. Eine schöne Stadt, genauso wie ihre Einwohner, die unter dem unermüdlichen Rauschen des Flusses Samisch seit tausend Jahren das Märchen einer Träne, die sich mit einem Lächeln verflicht, träumen.

 

 

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